Psoriasisarthritis


Schon vor zweihundert Jahren wurde eine Verbindung zwischen Schuppenflechte (=Psoriasis) und Gelenksentzündungen gesehen. Heute weiß man, daß bei bis zu 50% von Patienten mit Psoriasis Gelenks- und Weichteilbeschwerden auftreten. Meist tritt die Erkrankung vor dem vierzigsten Lebensjahr auf, bei Männern gleich häufig wie bei Frauen.

Neben den charakteristischen Veränderungen der Haut und der Nägel im Rahmen der Schuppenflechte findet man ein typisches Gelenksmuster, einen  vermehrten Befall der Wirbelsäule und der Kreuzdarmbeingelenke und häufig Beschwerden von Seiten der Muskeln, Sehnen und des Bindegewebes.

Die typischen Symptome im Überblick:

  • Gelenksentzündungen: Meist an den Finger- und Zehenendgelenken. Oft ist ein ganzer Finger oder eine Zehe wurstförmig verschwollen. Dies ist der typische Befall im Strahl. Aber auch der Transversalbefall der Finger- und Zehen-endgelenke grenzt diese Erkrankung von anderen Gelenksentzündungen ab. Häufig sind auch die großen Gelenke der Beine wie Knie, Hüfte, Sprunggelenke oder Fußwurzelgelenke von Schwellungen und Schmerzen befallen.
  • Wirbelsäulenbefall: Entzündliche Veränderungen an Wirbelsäule und Kreuzdarmbeingelenken äußern sich als tiefsitzende Kreuzschmerzen, Ruheschmerzen beim Liegen und eine ausgeprägte Morgensteifigkeit.
  • Die Haut: Die Schuppenflechte kann bei Gelenksbeschwerden gänzlich verschieden ausgeprägt sein. Von milden Verläufen mit einzelnen Flecken am Kopf oder Nabel bis hin zu einem Ganzkörperbefall sind alle Varianten möglich. Finger- und Zehennägel sind so gut wie immer befallen. Die psoriatischen Veränderungen gehen der Arthritis meist voraus, bei ca. 20% der Patienten treten sie aber nach Ausbruch der Gelenksentzündung auf, was die Diagnose erheblich erschwert.
  • Weichteilentzündungen(Enthesitis): Charakteristisch sind Entzündungen der Sehnenansätze wie z.B. am Fersenbein, der Achillessehne, am Brustbein, an den Beckenknochen oder am Ohrknorpel.

Bei manchen Patienten finden sich auch Veränderungen an den Augen wie Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündungen. Eine Entzündung an inneren Organen ist bei dieser Erkrankung jedoch kaum zu verzeichnen. Wegen der oft starken Gelenksdeformierungen ist für Psoriasis-Arthritis eine frühzeitige Therapie besonders wichtig.

Diagnose

Entzündungsparameter wie die Blutsenkung, CRP, diverse Eiweiße in der Elektrophorese wie Alpha 1- und Alpha 2- Globuline sind mäßig bis stark erhöht. Rheuma- und antinukleare Faktoren sind negativ. Bei gleichzeitigem Befall der Wirbelsäule findet man häufig HLA-B27 Träger.

Im Röntgen sieht man neben knochenabbauenden Veränderungen auch die Ausbildung von Knochenspornen an Gelenken und Wirbelsäule sowie eine Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke.


Immuntherapie

Bei Gelenksentzündungen handelt es sich um Störungen unseres Immunsystems, welches überaktiv ist und sich gegen unseren eigenen Körper richtet. Durch die Gabe sogenannter „Basismedikamente“ gelingt es den Ärzten das überaktive Immunsystem auf ein normales Niveau herunterzufahren. Dabei kommt es zu einem Stillstand der Entzündung in Gelenken, Wirbelsäule und inneren Organen. Entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und die Bewegungsein-schränkung lassen meist schlagartig nach.

Speziell die Entwicklung von neuen Substanzen, die die entzündlichen Boten-stoffe unseres Immunsystems blockieren wie die TNF-Alpha-Blocker, hat zu einer Revolutionierung der Therapie geführt. Diese neuen Mittel werden mit dem Namen "Biologika" bezeichnet. Sie können entweder als Infusion oder subcutan, das heißt unter die Haut gespritzt, verabreicht werden. Im Gegensatz zu den bislang zur Verfügung stehenden Therapien führen Biologika oft zu einem völligen Stillstand der Gelenkszerstörung. Aber auch die bislang verwendeten Basismedikamente wie Salazopyrin, Methotrexat, Leflunomid oder Cyclosporin A werden weiterhin mit gutem Erfolg eingesetzt. Alle genannten Basismittel führen in den meisten Fällen auch zu einer deutlichen Verbesserung der Psoriasis. Die Anwendung solcher Medikamente erfolgt nach strengen ärztlichen Kriterien und gehört in die Hand eines erfahrenen Spezialisten.

Auf den Einsatz von nichtsteroidalen Antirheumatika kann man bei keiner Gelenksentzündung, zumindest zeitweilig, verzichten. Bei akuten Schüben hat sich die Gabe von antirheumatischen Mischinfusionen in Kombination mit hochdosierten Vitaminen besonders bewährt.

In den letzten Jahren hat die moderne Wissenschaft neben der Entzündungshemmung ein vermehrtes Augenmerk auf Knorpelaufbautherapien gerichtet. Denn alle Gelenksentzündungen greifen in erster Linie den Gelenksknorpel an. Knorpelaufbaumaßnahmen sind daher in Verbindung mit Entzündungshemmung eine sehr sinnvolle und effiziente Maßnahme zum Schutz unserer Gelenke.

Für große Gelenke wie Knie, Hüfte, Schulter und Sprunggelenke steht Hyaluronsäure zur Verfügung, ein Präparat, das direkt ins Gelenk eingebracht wird. Für die kleinen Fingergelenke haben sich Chondroitin- und Glucosaminsulfat als orale Medikamente bewährt. Die Verbindung von Entzündungshemmung und Knorpelaufbau hat in vielen Fällen zu einer deutlichen Funktionsverbesserung der Gelenke mit verminderten Beschwerden geführt.


Ganzheitliches Konzept

In letzter Zeit hat man zunehmend festgestellt, daß eine medikamentöse Therapie durchaus sehr sinnvoll mit physikalischen Therapiemethoden, aber auch mit der Alternativmedizin kombiniert werden kann. Neben einer möglichen Einsparung von Medikamenten und damit Reduzierung des Risikos von Nebenwirkungen tragen diese Maßnahmen zu einem vermehrten Wohlbefinden des Patienten wesentlich bei. Eine effiziente Heilgymnastik ist zur Verhinderung von Muskelschwund in den meisten Fällen unerläßlich. Elektrotherapie, diverse Packungen, Massagen und die Kurmedizin führen oft zu einer deutlichen Verbesserung der Gelenksfunktion.

Alternativ-medizinische Heilverfahren wie Homöopathie, Akupunktur, Akupressur, Magnetfeldtherapie, Chiropraktik und Neuraltherapie unterstützen die Normalisierung unseres Immunsystems. Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Verbesserung der Beweglichkeit unserer Gelenke tragen wesentlich zum Wohlbefinden bei.

Dank neuester Medikamente und dem Erstellen eines komplexen Gesamttherapieplans kann Rheumapatienten in einem hohen Prozentsatz geholfen werden. Voraussetzung dafür ist aber eine rechtzeitige Diagnose und der sofortige Beginn einer effizienten Therapie.