Schilddrüsenerkrankungen


Die Schilddrüse ist nur ein kleines Organ, hat aber große Auswirkungen auf unseren  Körper. Denn die Schilddrüse produziert mehrere Hormone, und diese steuern unseren Stoffwechsel. In der Kindheit sind die Hormone für das Wachstum, die körperliche und geistige Entwicklung verantwortlich. Aber auch beim Erwachsenen sind die Schilddrüsenhormone der Motor für das Funktionieren aller Organe. Darin liegt gleichzeitig die große Gefahr: bildet die Schilddrüse zuviel oder zuwenig Hormone, dann wird unser Körper oft schwer in Mitleidenschaft gezogen. Gewichtszunahme, Herz- und Kreislauferkrankungen, eine gestörte Verdauung, Haarausfall, Hautveränderungen und rheumatische Beschwerden sind nur einige Beispiele der möglichen Veränderungen. Und eines darf man auch nicht vergessen: Schilddrüsenerkrankungen sind sehr häufig und gehören zum Alltag in jeder Praxis.


Der Kropf

Bei Schilddrüsenkrankheiten wird prinzipiell zwischen einer Störung des Organs wie z.B. einer Vergrößerung oder Knotenbildung und einer Störung der Funktionslage mit vermehrter oder verminderter Bildung von Schilddrüsenhormonen unterschieden. Natürlich können auch beide Faktoren gleichzeitig gestört sein.

Mit modernen und einfachen Methoden wie der Schilddrüsensonographie und -szintigraphie lassen sich Größe und Struktur des Organs aber auch die Aktivität des Schilddrüsengewebes exakt beurteilen.

Die Messung der Schilddrüsenhormone im Blut gibt Aufschluß über die Funktion. Bei  speziellen Fragestellungen stehen Computertomographie oder Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel zur Verfügung.

Die häufigste Schilddrüsenerkrankung ist der Kropf, auch Struma genannt. Darunter versteht man eine gutartige Vergrößerung der gesamten Schilddrüse oder einzelner Teile davon, an der ca. 15% aller Österreicher leiden. Eine Struma kann mit einer normalen oder gestörten Funktionslage der Schilddrüse einhergehen.

Neben einem oft kosmetischen Problem verursacht der Kropf auch noch andere Beschwerden:

  • Würgegefühl
  • Engegefühl im Hals mit möglicher Atemnot, besonders bei Rückenlage
  • Schluckbeschwerden
  • Zunahme des Halsumfanges, Druck bei engen Hemden oder Blusen
  • Heiserkeit und Hustenreiz
  • in vielen Fällen bleibt das meist langsame Wachstum der Schilddrüse auch gänzlich unbemerkt oder ist nur kosmetisch störend

Die Ursache des Kropfs ist der in Österreich noch immer bestehende Jodmangel. Das Spurenelement Jod ist ein wichtiger Bestandteil bei der Bildung der Schilddrüsenhormone und wird über die Nahrung zugeführt. Fehlt Jod, kommt es zu einer Vergrößerung der Schilddrüse, die versucht alles Jod aus der Nahrung zu speichern.

Therapie gegen den Kropf

Die Behandlung mit niedrig dosiertem Schilddrüsenhormon soll ein weiteres Wachstum der Schilddrüse verhindern, ja sogar eine Volumensreduktion bewirken. Ein Therapieversuch wird zunächst über 12 Monate durchgeführt und ist vor allem bei jüngeren Patienten erfolgreich. Bei knotigen Veränderungen kommt diese Therapie meist zu spät.

Sehr effizient ist auch die Verabreichung von Jod. Mit der Jodprophylaxe soll überhaupt  das Entstehen der Struma verhindert werden. Da auch Österreich zu den Jodmangelgebieten zählt,  wurde vor einigen Jahren dem Speisesalz Jod zugesetzt. In anderen Ländern geschieht dies mit dem Trinkwasser. Bei Jugendlichen kann mit etwas höheren Dosen auch eine Abnahme der Schildrüsengröße erreicht  werden. Bei Patienten über dem 40. Lebensjahr ist diese Therapie derzeit allgemein nicht zu empfehlen.  Auch eine kombinierte Gabe von Schilddrüsenhormonen und Jod wird versuchsweise durchgeführt.

Bei einem großen Kropf oder starken Verwachsungen kann man medikamentös keinen Effekt mehr erzielen. In diesem Falle stehen dann operative Maßnahmen oder die Radiojod – Verkleinerungstherapie  zur Verfügung.

Die Schilddrüsenüberfunktion

Bei der Überfunktion, auch Hyperthyreose genannt, werden ständig vermehrt Schilddrüsenhormone gebildet. Unser Stoffwechsel läuft daraufhin dauernd auf Hochtouren. Und das macht mit der Zeit krank.

Folgende Beschwerden treten häufig auf:

  • allgemeine Nervosität
  • Herzklopfen, Herzstolpern, hoher Blutdruck
  • beschleunigter Stuhlgang, Durchfälle
  • Wärmeintoleranz, Hitzegefühl
  • Gewichtsabnahme mit gesteigertem Appetit bei jüngeren Patienten, Gewichtsabnahme mit vermindertem Appetit bei älteren Menschen
  • rasche Ermüdbarkeit, Muskelschwäche
  • warme, feuchte bis schweißige Haut
  • motorische Unruhe, Zittern
  • Osteoporose
  • Muskel- und Gelenksbeschwerden

Wenn Sie eines oder mehrere der genannten Symptome erkannt haben,  sollten Sie unverzüglich Ihren Arzt aufsuchen. Anhand von Blutuntersuchungen wird das Ausmaß der Überfunktion festgestellt.

Als häufigste Ursachen der Überfunktion sind der sogenannte heiße Knoten und die Basedow-Erkrankung anzuführen. Im ersten Fall handelt es sich um einen oder mehrere Knoten im Schilddrüsengewebe, die über den Bedarf des Organismus hinaus vermehrt  Hormone produzieren.

Der Basedow

Dies ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Unser Organismus bildet  Antikörper gegen die Schilddrüsenzellen und stört dadurch die Regulation der Hormonproduktion. Was zur Folge hat, daß Ihre Schilddrüse überschießend Hormone produziert. Im Rahmen einer Basedow‘schen Erkrankung kommt es häufig zu einer Augenmitbeteiligung. Typisch sind die großen, starren und hervorquellenden Augen.

Sollten Ihre Augen mitbetroffen sein, müssen diese ebenfalls behandelt werden!

Zur Therapie der Schilddrüsenüberfunktion werden Medikamente verwendet, die die Hormonproduktion hemmen (sogenannte Thyreostatika).  Zusätzlich können Medikamente verordnet werden, die auf Herz und Kreislauf beruhigend wirken.

In der Phase der starken Überfunktion sollten Sie Ihren Kreislauf nicht überlasten. Nur ganz leichte körperliche Tätigkeiten sind erlaubt.

Jodhaltige Lebensmittel wie Meerestiere, Karfiol, Broccoli, Lauch, Kiwi und Johannisbeersaft aber auch jodiertes Speisesalz sollten Sie meiden.

Achten Sie vor allem darauf, daß keine Untersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel durchgeführt wird.

Wenn sich die Funktionslage normalisiert hat, stehen dann operative Möglichkeiten oder eine Therapie mit Radiojod zum Ausschalten der Schilddrüsenzellen zur Verfügung.

Die Schilddrüsenunterfunktion

Bei der Hypothyreose bewirkt ein Hormonmangel einen verlangsamten Ablauf der Stoffwechselvorgänge im gesamten Organismus. Die Beschwerden sind vielfältig und individuell unterschiedlich ausgeprägt:

  • Müdigkeit, vermehrtes Schlafbedürfnis
  • allgemeine Verlangsamung, Antriebsminderung, Gedächtnisstörungen
  • Kälteempfindlichkeit, vermindertes Schwitzen
  • kalte, trockene und rauhe Haut, Haarausfall
  • Verlangsamung des Pulses, Herzschwäche
  • Verstopfung
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden
  • Neigung zur Gewichtszunahme

Analog zur Überfunktion müssen auch bei der Hypothyreose eine eingehende Abklärung der Funktionslage und der zugrunde liegenden Erkrankung durchgeführt werden.

Schilddrüsenunterfunktionen treten häufig nach Operationen der Schilddrüse oder Radiojodtherapien auf. Eine weitere sehr häufige Ursache ist die chronische Thyreoiditis Hashimoto. Dabei handelt es sich um eine stille Entzündung der Schilddrüse, die ohne Schmerzen oder andere Symptome verläuft und zu einer langsamen Zerstörung der Schilddrüsenzellen führt. In den meisten Fällen wird diese Entzündung erst durch die Beschwerden der Unterfunktion diagnostiziert.

Die Ursachen einer Unterfunktion sind vielfältig. Die Therapie besteht dagegen immer in der Verabreichung von künstlichen Schilddrüsenhormonen. Anhand regelmäßiger Blutuntersuchungen wird dann der Erfolg der Behandlung überprüft.

Neben den bisher erwähnten häufigen Erkrankungen gibt es natürlich eine ganze Reihe anderer Schilddrüsenkrankheiten und Funktionsstörungen. Schilddrüsenerkrankungen sind nicht nur ein lokales Problem, sondern ziehen den gesamten Organismus in Mitleidenschaft. Deshalb ist bei geringstem Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung eine sofortige und eingehende Untersuchung und Abklärung angezeigt.

Schilddrüsenerkrankungen werden leider immer noch sehr häufig übersehen. Dabei ist die Untersuchung so einfach und immer eine gute Therapie möglich.